HISTORIC CHALLENGE PFERDSFELD



Am 3. und 4.Mai 2019



DAS ERSTE EVENT DER NEUEN SAISON


fand wieder auf dem TRIWO-Testgelände in der Nähe von Bad Sobernheim,
in Pferdsfeld, statt. Hier starteten in früheren Jahren die Phantom-Kampfjets
der Bundeswehr, mittlerweile ist es ein sehr vielfältiges Testgelände der
Automobilindustrie geworden. Und es eignet sich hervorragend zur Durchführung
von Oldtimer-Veranstaltungen! Die Strecke beginnt mit einer Geraden, welche
in einen sehr flüssig gezeichneten Handling-Kurs führt, anspruchsvolle Kurven
mit bergauf-Passagen, wunderschön. Am Schluss der 5 Kilometer langen Strecke
fügt sich eine lange Gerade an - 70 Meter breit! Wo sonst können die schönen
historischen Fahrzeuge so herrlich und so sicher bewegt werden?
Und auch sehr wichtig: Die absolut perfekte Infrastruktur der Strecke. Strom für
Wohnmobile? Kein Problem. Das Fahrerlager? In einer Super Halle - mit Hebebühne,
hellem Licht, jedweger Stromanschluss und Pressluft an jeden Platz, ich kenne
kein Fahrerlager, wo wir vergleichbaren Luxus haben - selbst der Hockenheimring
oder der Nürburgring schafft das nicht. Und auch die sanitären Anlagen - blitzsauber
und gut beheizt...

Aber: Kalt war es. Die Wetternachrichten stimmten aber nur teilweise. Bei der Fahrerbesprechung blickte ich hinaus: Schnee- und Graupelschauer. Aber: kaum waren wir auf der Piste, ließen die Niederschläge nach und ab mittags war es trocken! Und am Sonntag - dem zweiten Veranstaltungstag - gab es Sonnenschein! Das hätte niemand erwartet...

DAS FAHREN

Wieder waren sehr unterschiedliche Fahrzeuge am Start: zierliche Formelrennwagen, DTM-Tourenwagen, wunderbare Sportwagen wie der Lotus Eleven von Günter Stellwagen, Rennsportwagen sehr seltener Art wie der Nomad MKI von Kay Rimmele oder der Lola-Sbarro von Andreas Huschka sind in dieser Kombination sehr selten auf einer Strecke zu sehen. Garniert wurde das Teilnehmerfeld von Leos Chevron B 16, dem Lola T 292 von Wolfgang König, der Über-Cobra von Uwe Beckbye - und sogar einem Formelrennwagen der Indycar-Serie von Dieter Riegl! So wurde das historische Betrachterauge bestens bedient!

UND WER WAR GUT?

Nun, es ging bei dieser Veranstaltung nicht um die Zeiten - an unterschiedlichen Punkten bewerteten Sonja Springer (Böhmfeld) und Bernhard Schütze (Oldenburg) Fahrstil und den optischen Gesamtauftritt eines Teilnehmers mit seinem Fahrzeug. Bei den Prototypen beeindruckte hier Michael Sielaff vor Andreas Huschka und Uwe Beckbye... und bei den Renn- und Rennsportwagen hatte Dr. Michael Bischoff die Nase vor Günter Stellwagen und der wiederum vor Gerald Ludwig... Gefeiert wurde dies am Samstagabend bei einem geschmackvollen Büffet des Caterers Beck, der auch während des ganzen Veranstaltungstages am Samstag stets für einen guten Imbiss mit Getränken sorgte.

SCHADE!

Zwei Tage nach der Veranstaltung wurde das Ende der ProtoChampSeries bekanntgegeben. Der organisatorische und verwaltungstechnische Aufwand und auch das rechtliche Risiko für den Veranstalter ist so immens geworden, dass die ProtoChampSeries in dieser Form nicht mehr durchführbar sind. Schade - aber alles hat seine Zeit...

DIE HISTORISCHEN VERANSTALTUNGEN

dieser Art sind heute in einer sehr kritischen Phase - mit ein Grund, die ProtoChampSeries Ende 2019 zu beenden. Die wirklich tollen Fahrzeuge erreichen mittlerweile so hohe Werte, dass die Besitzer das Risiko auf einer Veranstaltung immer mehr scheuen. Selbst in Goodwood sind Ferrari GTOs schon selten geworden... Und auch in unserer Serie trachten einige Teilnehmer danach lieber den wertvollen Oldtimer in der Garage zu lassen um mit einem preiswerten Tourenwagen Modell Rennziege an den Start zu gehen. Der Trend wertvolle Rennfahrzeuge immer leistungsstärker werden zu lassen ist nachteilig. Hatten große CanAm-Renner früher etwa 700 PS, so kommen dieselben Fahrzeuge heute teilweise mit mehr als 900 PS daher - die Folge: fast alle diese Fahrzeuge sind andauernd defekt - früher fuhren sie problemlos viele hundert Meilen oder Kilometer am Stück... Wahrscheinlich ist die Erkenntnis, dass man ein technisches Produkt nur so etwa 30 Jahre ganz gut am Leben halten kann, richtig. Danach setzt sich Materialermüdung und zunehmende technische Unkenntnis (die wirklichen Spezialisten sind in Rente) in der Betreuung immer mehr durch.

Auffallend ist in den letzten Jahren der immer stärkere Trend zum Kostenbewusstsein vieler Teilnehmer bei historischen Veranstaltungen - und dies bei ständig steigenden Veranstaltungskosten. Nur wenige - meist die "Immerkommer" - sind bereit zwei Veranstaltungstage zu buchen, wenn diese angeboten werden. Auch weitere Anfahrten werden immer unbeliebter. Dabei wird oft übersehen, dass die Fahrtminute bei den großen historischen Veranstaltungen, bei der man am Tag zwei- oder dreimal 20 Minuten in einem sehr engen Teilnehmerfeld fahren kann (die dann im praktischen Leben auch oft nur 15 Minuten sind) so etwa EUR 2,50 kostet und beispielsweise in Pferdsfeld nur EUR 0,60... und da verteilen sich zudem nur etwa 25 Fahrzeuge auf bis zu sieben Stunden auf einer langen Strecke, was bei dieser geringen Verkehrsdichte ein deutlich entspannteres Fahren und wirkliches Kennenlernen des eigenen Fahrzeuges ermöglicht.

So werden es allein die Teilnehmer und Besitzer der Fahrzeuge entscheiden,
ob es noch schöne historische Veranstaltungen mit sehenswerten Fahrzeugen
geben wird. Und damit meine ich Fahrzeuge wie einen Lotus Elite, SuperSeven,
Eleven oder Cortina, einen Costin-Nathan, einen Nomad, eine Lola, einen
Sunbeam Tiger oder IMP, einen CanAm-McLaren, einen Chevron, einen
DTM-Prototyp, einen Rex, einen Royale, einen Jaguar E- oder D-Type oder
einen Abarth - und nicht nur alte VW Polos oder Fords oder Massen von 911ern
oder Pagoden...


Und hier nun die Ergebnisse:


Prototypen

Platz 1: Michael Sielaff, Hameln, Mercedes-Benz 190 E 2,6 (39,17 Punkte)

Platz 2: Andreas Huschka, Sbarro Lola (38,0 Punkte)

Platz 3: Uwe Beckbye, Cobra 427 (37,33 Punkte)

Platz 4: Dieter Riegl, Hennef, Lola T 294 (37,0 Punkte)

Platz 5: Sascha Bloch, Berlin, Lotus 61 FF (36,33 Punkte)

Platz 6: Kay Rimmele, Nomad MK1 (35,5 Punkte)

Platz 7: Wolfgang König, Lola T 292 (32,67 Punkte)

Platz 8: Leo Schiewek, Garbsen, Chevron B 16 (31,0 Punkte)

Punktestand der Prototypen nach dem ersten Lauf:

Platz 1: Michael Sielaff, 9 Punkte

Platz 2: Andreas Huschka, 6 Punkte

Platz 3: Uwe Beckbye, 4 Punkte

Platz 4: Dieter Riegl, 3 Punkte

Platz 5: Sascha Bloch, 2 Punkte

Platz 6: Kay Rimmele, 1 Punkt

Sport- oder Rennsportwagen

Platz 1: Dr. Michael Bischoff, Hamburg, TIGA SC 80 (42,67 Punkte)

Platz 2: Günter Stellwagen, Heidesheim, Lotus 11 (40,5 Punkte)

Platz 3: Gerald Ludwig, Van Diemen RF 81 (39,67 Punkte)

Platz 4: Andreas Bettels, Berlin, Mercedes W201 (39,5 Punkte)

Platz 5: Henner Ruth, Braunschweig, Lotus Elite (39,0 Punkte)

Platz 6: Jürgen Krull, Lotus Cortina (38,67 Punkte)

Platz 7: Gert Weiss, Lotus Super 7 (38,17 Punkte)

Platz 8: Henrik Piepho, Bad Münder, Porsche 356 (36,0 Punkte)

Platz 9: Lars Hoffmann, Royale RR 38 (35,5 Punkte)

Platz 10: Victor Bloch, Berlin, Fiat Abarth 1000TC (35,33 Punkte)

Platz 11: Rainer Timm, Berlin, Aston Martin (34,83 Punkte)

Platz 12: Waldemar Sendrowski, Rüdesheim, Porsche 944 (34,33 Punkte)

Platz 13: Jürgen Renardy, Aachen, Triumph TR 4 (33,33 Punkte)

Platz 14: Dr. Martin Jastorff, Hamburg, Mercedes W123C (ohne Wertung)

Punktestand der Sport- oder Rennsportwagen nach dem ersten Lauf:

Platz 1: Dr. Michael Bischoff, 9 Punkte

Platz 2: Günter Stellwagen, 6 Punkte

Platz 3: Gerald Ludwig, 4 Punkte

Platz 4: Andreas Bettels, 3 Punkte

Platz 5: Henner Ruth, 2 Punkte

Platz 6: Jürgen Krull, 1 Punkt